Ein Vortrag, aus dem Jahre 1988, von Herrn Gregor Zuber  * 1914 in Eger verst. 1997 in Nürnberg

MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG DES SOHNES VON HERRN GREGOR ZUBER

DER HOUSNOA(N)TOUTARA - Das Egerländer Bauernzeichen - Gregor Zuber
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Das Egerländer Bauernzeichen

Ein altgermanisches Erbstück

W. Scheuermann um 1938 – leicht gekürzt (J.H.)

 

Die in der Gemeinschaft der Sudetendeutschen zusammengefasten Deutschen des böhmischen Raumes stammen in der Mehrheit, wie jetzt oft dargestellt worden ist, von Siedlern der Verschiedenen Nachbarstämme ab. Sie haben im hohen Mittelalter das Waldgebiet gerodet zu dessen Bewältigung die Tschechen nicht fähig waren. Frühere Volkskundeforscher haben darum vermutet, daß sich in der Überlieferung der Sudetendeutschen keine bodenständigen Anknüpfungen an die altgermanische Zeit finden könne, einzelne Gebiete, wie die Sprachinsel I g l a u etwa, ausgenommen, wo nachweislich über die Völkerwanderung hinaus immer Germanen gesessen und wo sich mit den Neusiedlern Reste der Markomanen, Quaden usw. vereinigt habe.

   Neuere Untersuchungen beweisen, daß gerade im sudetendeutschen Gebiet sehr viel uraltes Volksgut erhalten geblieben ist, und es wird Aufgabe neuerer Forschungen sein, zu entscheiden, wie viel davon seit der germanischen Frühzeit bodenständig geblieben ist und was auf dem Umwege über die im Reiche gebliebenen alten heimatlichen Stämme mitgenommen wurde.

    Daß sich solche Betrachtungen lohnen, bekundet ein Blick auf den Egerländer Knopf, ein überaus kennzeichnendes Stück der dortigen Bauerntracht. Das Egerland hat sich zäh eine sehr kleidsame Tracht beider Geschlechter bewahrt, und sie wird mit Stolz nicht nur von den Bauern, sondern auch von denjenigen städtischen Geschlechtern getragen die sich ihrer Abkunft von Bauern oder Ackerbürgern rühmen. Welche allgemeine Verbreitung hier diese Tracht noch besitzt, haben die Zeitungsleser im alten Reiche jetzt in den Bildberichten sehen können. Aber Einzelheiten kommen auf solchen Aufnahmen meist nicht zur Geltung, und darum muß auf das kennzeichnende Stück der Egerländer Männertracht besonders aufmerksam gemacht werden.

   Jeder Egerländer trägt nämlich an Stelle der Gürtelschnalle einen großen kunstvoll gearbeiteten Knopf, der häufig ein altes Erbstück von den Vorfahren her ist. Er sitzt an einer Verlängerung von Gürtel und Hosenträger, stellt jedoch zugleich eine Verbindung mit der Hose dar, an die angeknüpft ist. Eine ähnliche Vereinigung von Gürtel und Hosenträger findet sich bei verschiedenen alpenländischen Trachten, ehedem war sie auch in Mitteldeutschland weit verbreitet. Je nach der Gegend ist dieses Trachtenstück sehr verschieden gestaltet, schon im Egerlande selbst, und das gilt insbesondere auch von der auf dem weichem Leder oder auf den Tucheinsetzen aufgetragenen Stickereien mit oft sehr hübschen sinnbildlichen Mustern.

  Der eigentliche Glanzpunkt ist dann der Knopf. Er besteht aus feuervergoldeter Bronze und ist teils in Guß und teils in Metallschnitt ausgeführt. Unsere Abbildung  zeigt ihn in der jetzt zumeist gebräuchlichen Gestaltung, wo sich um eine sechsstrahlig angeordnete Rundscheibe in der Mitte eine achteckige Umrahmung anschließt, doch wurde früher der ganze Knopf auch rund getragen. Man sieht derartige Rundscheiben noch in den Sammlungen und auf alten Abbildungen, so auf denjenigen, die Hottenroth in seinen „Deutschen Volkstrachten“ aus dem 17. Jahrhundert wiedergibt. Heute aber hat sich, wie gesagt, die hier dargestellte Ausgestaltung überwiegend durchgesetzt.

   Man sieht ihr ihren Ursprung ohne weiteres an. Sie stammen aus unmittelbarer Linie von den altgermanischen Gürtelschnallen ab, wie wir sie bis in die Bronzezeit zurückverfolgen können und wie sie damals von Männern und Frauen getragen wurden. Und zwar dienten sie damals nicht nur als Schnallen, sondern sie wurden vielfach als Prunkknöpfe verwendet. Der deutsche Bauer hat sie in seiner Tracht in den verschiedensten Gegenden bis in das Mittelalder bewahrt. Das sie aber bis in die Gegenwart hinein dauern, und zwar in einer in Empfindung und Technik so ursprünglichen Eigenart, das ist nur im Egerlande noch festzustellen. Dieses kann sich rühmen, ein altgermanisches Trachtenstück über rund vier Jahrhunderte getreu behütet und in Ehren gehalten zu haben.

  Der Egerländer goldene Knopf ist in der Neuzeit geradezu zu einem bäuerlichen und völkischen Abzeichen geworden. Man trägt ihn, in derselben kunsthandwerklichen Technik hergestellt, auch als weibliche Brosche, und als Andenken an die Kurorte Marienbad, Karlsbad usw. hat das schöne Schmuckstück in der ganzen Welt Verbreitung gefunden. Seine eigentliche Verwendung ist aber die als männliche Gürtelzier, und die echte Volkstracht des Egerländers kennt keine andere.

 

Goldener Gürtelknopf der Egerländer,                       Zeichnung: W. Scheuermann
Goldener Gürtelknopf der Egerländer, Zeichnung: W. Scheuermann